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Wenn ich nur noch 7 Jahre zu Leben hätte

 

Mein Bruder ist vor einigen Wochen gestorben. Mit 52. Unerwartet, plötzlich - ein Schock.

Nur 7 Jahre war er älter als ich. Ich dachte immer, er wäre noch viel älter.

Vielleicht weil er mir nicht sehr nahe war? Aber das stimmt nicht. Wir hatten durchaus Momente der Nähe, aber diese musste ich mir erst wieder tief aus meinem Gedächtnis hervor kramen, denn all die anderen Momente der Trennung waren viel präsenter.

 

Wie das große Brüder wohl so machen, waren wir kleine Schwestern nämlich immer eine nette Zielscheibe, für makabre Scherze und Spässchen, die ganz schön weh taten.

Es ist so lange her, macht es wirklich Sinn, sich daran zu erinnern?

Nein. Macht es nicht.

Es macht sehr viel mehr Sinn, darüber nachzudenken, welche schönen Momente wir hatten.

Und die waren immer dann, wenn es uns gelang, auf Augenhöhe zu sein, den anderen ernst zu nehmen, mit zu fühlen und damit teilzunehmen an dem Leben das anderen.

 

Leider war unser letztes Zusammentreffen so gefärbt durch die Brille der Trennung, dass ich nun die letzten12 Jahre das Gefühl hatte, einen Bruder - einen Freund - verloren zu haben.

 

Als er dann plötzlich starb, fand ich das einfach nur unfair. Einfach abhauen? Ohne Aussprache? Ohne Frieden? Wie feige ist das denn?! Ich ließ all diese Gefühle laufen... Tränen der Trauer, Tränen der Wut.

 

Und dann kam sie wieder, diese Nähe, die ich auch mit ihm kannte.

Ich spüre jetzt keine Trennung mehr. Immer mal wieder Trauer, klar, immerhin hat der Tod so etwas endgültiges. Aber das ist Illusion. Das weiß ich spätestens, seit ich ihn wieder so nahe fühle.

 

Und diese Nähe löst Dankbarkeit aus. Und Liebe. Denn irgendwie hat er mir auch einen Gefallen getan. Ich musste ihm nicht mehr in die Augen sehen. Ich musste mich nicht erst hindurchwurschteln, durch all die Ego Meinungen, die der Wahrheit im Weg stehen.

Es ist so viel einfacher. Ich muss ihm nur vergeben. Das ist alles.

 

Der Tod meines Bruders warf in mir die Frage auf, was ich anders machen würde, wenn ich wüsste, dass ich nur noch 7 Jahre zu leben habe? Wer weiss, vielleicht werde ich nicht einmal so alt, aber zum Glück wissen wir das alle nicht. Und ich will es auch nicht wissen.

 

Aber diese Frage hat mir einfach nochmal bewusst gemacht, dass mein Körper sterblich ist.

Und das ich die Wahl habe, ob ich hier solange auf Erden den Himmel oder die Hölle leben will.

 

Die Hölle kenne ich schon sehr gut. Den Himmel erhasche ich zuweilen.

Jedenfalls weiss ich genug, um zu wissen, dass nur der Himmel auf Erden Sinn macht.

Deshalb sind wir ja hier.

 

Aber wie geht das? Wie mache ich das mit dem Himmel auf Erden? All diese Fragen, haben mich die letzten 20 Jahre beschäftigt. Ich bin durch viel Schmerz und Angst gegangen.

Und ich habe auch wundervolle Momente erfahren. Aber darum geht es im Grunde gar nicht.

Das ist eben nur das normale Auf und Ab der Polarität.

 

Es geht darum das Leben zu leben. Dem lebendigen Feuer in sich zu folgen. Der Liebe, wohin sie uns auch immer führt. Und das geht nicht ohne Vertrauen in eine Kraft, die stärker ist als wir.

Nennt es Gott. Nennt es Universum. Egal.

Ohne Hingabe läuft einfach nichts Echtes.

Tiefe ist nur möglich, wenn ich mich hingebe. Wenn ich verbrenne und neu aus der Asche hervorkomme. Jedesmal wieder neu.

Das Schöne ist: das Vertrauen wächst und damit wird alles leichter. Nicht das die Tiefe verloren ginge, nein. Aber ich kann diese Tiefe dann mit all ihren Facetten besser händeln.

 

Natürlich finde ich Glücksmomente auch schöner.

Aber ich kann immer mehr auch dann vertrauen, wenn sich mal wieder etwas nicht so toll anfühlt, was zum Glück immer weniger wird.

Ich habe zu lange verdrängt und verleugnet.

Verdrängung passiert immer dann, wenn nur das passieren darf, was ich gerade im Moment für schön und richtig halte. 

 

Aber wer definiert schön und richtig? Doch nur ich und was weiss ich schon?

Nee, da überlasse ich das Ruder lieber Papa, jener Kraft eben, die weiß was am Besten für mich ist.

Und ich bin immer wieder überrascht, über die Vielfalt des Lebens, über die Weite meines Toleranzspektrums und darüber wie sehr es sich lohnt eigene Meinungen immer wieder zu hinterfragen und vielleicht auch mal loszulassen.

 

Was würde ich also ändern, wenn ich wüsste dass ich nur noch 7 Jahre zu leben hätte? 

Nichts. Es ist alles gut so, wie es ist. 

 

Aber ich habe keine Lust mehr das Leben zu erleiden.

Und ich habe keine Lust mehr das Opfer zu sein.

 

Schöpfer des Lebens zu sein, zu kreieren, das Leben in ganzer Tiefe zu erfahren und dabei die Verantwortung zu übernehmen, das macht viel mehr Spass.

Also, richte ich den Blick jetzt mal gen Licht.

 

Ich halte euch auf den Laufenden und ich freu mich drauf schon auf die nächsten Ergebnisse.

Alles Liebe für euch!

 

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