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Coming out - auf meine Weise

Meine nachfolgende Geschichte habe ich bereits vor 4 Jahren geschrieben und in meinem ersten Blog als Blog-Artikel veröffentlicht. Ich bin damals 1000 Tode gestorben! Seitdem hat sich viel getan.
inzwischen habe ich eine Freundin, mit der ich nun fast 2 1/2 Jahre zusammen bin - in einer Fernbeziehung, d.h. wir sehen uns 1x die Woche, manchmal seltener und wir verbringen oft die Urlaube miteinander. Sie ist 15 Jahre älter als ich, aber das stört uns überhaupt nicht.
Ich habe viele Ängste mit ihr überwinden können und bin sehr dankbar darüber. Welche Ängste das alles waren, schreibe ich gerade auf und werde das als Buch irgendwann veröffentlichen. Vielleicht kann es auch anderen helfen. So und nun zu meiner Geschichte! Viel Spass beim lesen!


Nur weil ich Frauen lieben könnte, bin ich noch lange nicht lesbisch…oder doch? Na ja egal, jedenfalls mag ich das Wort „lesbisch“ überhaupt nicht… Hört sich für mich an wie ein Schimpfwort, klingt für meine Ohren jedenfalls nicht vorteilhafter als „Schlampe“. Und vorab: ich bin keine Lesbe – bleibt mir bloß fern damit! Trotzdem kann ich jetzt nicht anders, als dieses Thema anzugehen – denn es scheint aktueller denn je. So, jetzt muss es also raus – tief durchatmen, allen Mut zusammen nehmen und los: Manchmal fühle ich mich – …. ich möchte das jetzt auf englisch aussprechen, weil es so viel schöner klingt: „Sometimes, I feel attracted by women!“
Früher – als Kind schon – fühlte ich, dass einige Frauen „anders“ waren. Es stieß mich ab, aber ich fand es auch ein bisschen anziehend. Was es war wusste ich nicht. Als sich einige dieser Frauen dann - nach vorangegangenen - jahrelangen Ehen mit Männern und geborenen Kindern, plötzlich „outeten“ – wusste ich jedenfalls immer – dass ich es vorher schon irgendwie gemerkt hatte.
Bis neulich noch, entschied ich mich dafür – das mit der Homosexualität nur doof zu finden. Lesbisch war für mich nie ein Thema – ich erinnerte mich, wie geschockt ich war, als das Gesetz kam, das Homosexuelle heiraten dürfen. Wo bleibt denn da die Ethik? – dachte ich. Dieser Werteverfall der Gesellschaft konnte doch nicht wahr sein! Ich schimpfte im Stillen nur so vor mich hin. Auch die maßlose, sexistische Love-Parade z.B. – fand (und finde ich) einfach nur abstoßend. Irgendwie, wird Homosexualität da für mich auf das rein sexuelle reduziert. Die andere Seite in mir liebt alle Menschen – egal was oder wie sie leben. Vor allem schwule Männer sind und waren mir einfach immer nur sympathisch!
13 Jahre lang liebte ich einen Mann sehr. Den Vater meines Sohnes. Wir waren sehr glücklich. Ich hatte vorher auch andere Männer, die aber wohl eher nur meinen Vaterkomplex kompensieren mussten. Mit 16 Jahren riss ich – eine Menge Champagner intus – nämlich von zu Hause aus und trampte mit 10 Mark in der Tasche zu meiner 40 Jahre älteren Bekanntschaft nach Schweden – wo ich dann mit ihm 7 Monate lebte. Ich glaubte es wäre Liebe und schrieb einen Artikel darüber, der sogar in der Zeitschrift „Mädchen“ von damals veröffentlicht wurde. Die Überschrift lautete: "Liebe kennt keinen Altersunterschied!" Nun ja – Vaterkomplexe auch nicht.
3 Jahre hielt ich es mit ihm aus – lernte schwedisch und fing dann in Deutschland eine Lehre an. Glücklich war ich nie – nur abhängig. Solange ich oft genug mit dem Mann schlief, gab er „Ruhe“. Ich dachte, dass muss so sein. Irgendwann konnte ich mich dann von ihm trennen. Es war sooooo leicht – eine Befreiung, die ich sogar feierte! Die nächsten Partner symbolisierten vor allem Stärke. Auch der Vater meines Sohnes – ein Bär in Uniform! Schmelz… ja das war meine große Liebe, sogar Sexualität war endlich schön. Und doch trennten wir uns nach 13 Jahren, es ging nicht anders. Seit fast 12 Jahren lebe ich nun glücklich alleine. Irgendwie hat sich nie etwas Neues ergeben.
Im Traum hätte ich mir nicht vorstellen können - noch bis vor kurzem - jemals soooo einen Artikel wie diesen zu schreiben! So was unspirituelles! ;) Sogar die Religionen verurteilen ja solche Gefühle.
Dann telefonierte ich neulich mit einer guten Freundin, die selbst mit einer Frau zusammenlebt und hörte mich sagen: „Ich verliebe mich auch regelmäßig!“ „In Frauen?“ fragte sie. Ich antwortete: „Ja!“ Das ließ mich dann nicht mehr los – denn es war von mir nicht geplant, so was zu sagen. Es half mir aber zu verstehen, warum ich manche Frauen so seeehhhhr mehr mochte, als andere. Es war schlicht und einfach ein „Verliebt-Sein“. Mir wurde klar, dass ich das nur immer nicht wahrhaben wollte – ich bin doch keine Lesbe! Hallo – geht`s noch?!
So nun stehe ich da und muss mit ansehen wie mein Weltbild zusammenbricht. Ich verstehe nun, warum ich Homosexualität verurteilt habe: ich konnte sie in mir selbst ja auch nicht annehmen. Der Ausspruch: Du kannst erst andere lieben, wenn du dich selbst lieben kannst – nimmt damit neue Erkenntnistiefen in mir an. Wie gehe ich nun damit um? Keine Ahnung!
Ich verstehe aber: es ist egal! Ich bin ja schon glücklich – alleine. Vielleicht bleibe ich auch alleine glücklich – wäre mir jedenfalls ganz recht – denn ich könnte mich mit einer Frau irgendwie immer noch nicht vorstellen, auch wenn ich mich manchmal „attracted by“ ihnen fühle.
Aber wer weiß – vielleicht schlägt irgendwann „der Blitz“ ein. Ich werde das dann schon merken und ich habe beschlossen, die Geschenke des Himmels jetzt nicht mehr, von vornherein abzulehnen.
Ich hoffe ich habe jetzt nicht zu viel erzählt, aber irgendwie passte alles. Mal sehen wie jetzt mein Umfeld, die das vielleicht lesen, damit umgeht. Das ist meine Geschichte. Mein Coming out! Ist es das? Irgendwie schon, obwohl ich mich so fühle wie ein Erstklässler, der so tut als wüsste er was Schule ist. Ich hab ja noch nicht einmal eine Frau geküsst und vielleicht werde ich es auch nie!
Ich habe keine Ahnung was kommt! Aber Mädels ich sage euch – das ist nicht wichtig! Es kommt nur darauf an in Liebe zu sein und zu bleiben, egal welche Vorurteile ich auch noch loslassen muss. Dem Teufel ist es egal auf welcher Seite wir stehen, solange wir verurteilen. Liebe hingegen schließt nichts aus – das habe ich jetzt begriffen. Es ist egal wie wir leben, solange wir die höchsten Ziele des Christus in uns leben und damit in Liebe bleiben können. Meine Aufgabe ist es glücklich zu sein. Wenn ich unglücklich werde, nur weil ich „Opfer“ meiner Vorurteile bin, dann ist es meine Aufgabe diese Vorurteile einmal liebevoll, durch mich selbst, zu betrachten. Das ist heute so und wird auch in Zukunft so sein. Ich hoffe es ist mir gelungen diesem heiklen Thema liebevoll zu begegnen. Vielleicht macht es so manch anderer Frau Mut - die ähnlich fühlt – einmal näher bei sich zu schauen. Es ist OK sich als Frau in Frauen zu verlieben! Und wenn man das nicht leben kann oder will – dann muss man das ja auch nicht und die Verliebt-Sein Phase geht ja auch irgendwann immer vorbei…
Aber hinschauen und annehmen wirkt erstmal sehr befreiend. Alles Liebe ihr heißen Feger da draußen – macht´s gut! ;)

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