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Hilfe - mein Kind ist nicht beliebt!

 

Vor kurzem erzählte mir eine Frau: „Meine Tochter hat nicht viele Freunde. Sie scheint es ja nicht zu stören, aber ich mache mir Sorgen...“

Ich wusste sofort wovon sie sprach, mir ging es ähnlich als mein Sohn jünger war.

 

Jedesmal wenn er traurig war, weil er irgendwie nicht so recht Punkte landen konnte in der Klasse, dann litt ich mit. Und wenn ein scheinbar beliebter Junge sich mal mit ihm verabredete – wuchs mein Stolz und ich freute mich!

Inzwischen ist er fast erwachsen, dieser Sohn. Und mir sind immer wieder Eltern begegnet die ähnliche Ängste haben. Es hört irgendwie nie auf, es geht allen genauso. Und ich kann sie verstehen diese Eltern, schließlich wollen wir unsere Kinder vor dem Schmerz der Ausgrenzung und Einsamkeit bewahren.

 

Einen Schmerz den wir nur all zu gut kennen...

 

Stopp!

 

Innehalten und ehrlich hinschauen ist jetzt das wichtigste.

Wir sehen meistens nicht wirklich dieses Kind. In Wahrheit sehen wir oft nur uns selbst. Wir sehen unsere eigenen Ängste und wenn wir nicht achtsam sind, dann werden sich diese Ängste auf das Kind übertragen, und damit unsere Projektion einer grausamen Welt wieder mal bestätigt: „Siehste! Hab ich doch gewusst!“

 

Und dann folgt immer mehr genau das wovor wir so sehr Angst hatten: Ausgrenzung, Einsamkeit und Schmerz.

Das einzig sinnvolle, was wir tun können ist unsere Projektionen als solche zu erkennen.

Es sind meine Ängste die ich da sehe und sie spiegeln nur meinen Glauben wieder, an eine Welt voller Angriff, Schmerz und Trennung. Aber nicht um mich zu quälen, sondern um mir zu zeigen für welchen Glauben ich mich entschieden habe. Ohne diese Spiegelung im Außen könnte ich meine Ängste nämlich überhaupt nicht sehen.

 

Dankbarkeit macht sich breit. Achso ist das! Ich schaue einfach an was ist, beobachte es völlig wertfrei und werde klarer. Ich entscheide woran ich glaube. Mmmh... und warum glaube ich an Angriff, Schmerz und Mangel?

Nun, wahrscheinlich habe ich es mal so erlebt. Denn den Schmerz kenne ich ja. Und die meisten Entscheidungen für einen Glauben beruhen auf vergangene Erfahrungen.

 

Allerdings ist die Vergangenheit kein guter Ratgeber. Wenn du mal in die glücklichen, unbefangenen Augen eines Kindes geschaut hast, weißt du wovon ich spreche. Da diese Kinder ohne große Vergangenheit sind – leiden sie nicht. Ihnen gelingt es viel leichter glücklich zu sein, zu vertrauen und zu sein, wer sie sind ohne Angst zu haben „falsch“ zu sein.

 

Und das geht solange gut, bis die „Erziehung“ anfängt zu greifen und damit die Spielregeln dieser Welt gelernt werden müssen. Je nach Vorbelastung der Eltern, dauert das mehr oder weniger lange.

 

 

Was kann ich also konkret tun, um meinem Kind zu helfen?

Wenn ich verstehe, dass ich nicht die Ängste meines Kindes sehe, sondern nur meine eigenen, ist das wichtigste bereits getan.

 

Mein Kind muss mir nun nicht mehr meine Ängste spiegeln. Es kann nun das sein, was es ist: ein unschuldiges Kind, was so sein darf wie es ist: mit einem Freund oder vielen oder keinem. Wir können es nun ohne Angst betrachten und es ist alles gut so wie es ist, weil wir den Widerstand aufgegeben haben, dass etwas ist wie es ist.

 

Und wenn das Kind spürt, dass es nicht mehr nur als Projektionsfläche unserer Ängste dient, sondern so gesehen und geliebt wird wie es ist, dann wird es lernen in diesem - seinem inneren Sein - Halt zu finden.

 

Wir vertrauen dann in das Leben und das Kind spiegelt uns dieses Vertrauen, durch sein Vertrauen in sein Leben und wird damit die Menschen und Freunde anziehen, die richtig sind für ihn.

Was bleibt ist Dankbarkeit und das guttuende Wissen, dass es mir gelungen ist, meine schmerzhaften Projektionen nicht weitergetragen zu haben.

 

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