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Befreiung - muss man nicht verstehen

Ich muss zugeben, ich habe das Leben unterschätzt.

Wenn sich meinen Herzensplänen, immer wieder energieraubende Muster entgegenstellen, in Form von Depressionen, Krankheiten, Gefühlsdramen oder anderen Gedöns, dann wird es Zeit innezuhalten und das Sein einmal still und wertfrei zu betrachten.

 

Die Muster meines Lebens, teils geerbt, teils selbstgemacht, teils Auftrag – aber wer weiß das schon so genau - greifen ständig nach meinem Herzen und wollen gesehen werden.

 

Ich habe das bisher so verstanden, dass ich es erst verstehen muss, genau analysieren und dann fühlen muss – um es erlösen zu können.

 

Inzwischen empfinde ich diesen Gedanken als anmaßend, weil „Ein Verstehen Wollen“ - nur der Wunsch nach Kontrolle ist.

 

Der Verstand hüpft von Blume zu Blume, bestäubt hier und da nichtwissend, meint zu wissen um es bei der nächsten Blume wieder hinter sich zu lassen. Anscheinend passiert nicht viel, letzendlich entgleitet alles und wovon ich vorher überzeugt war, macht einer neuen, völlig anderen Ahnung Platz. Chaos pur und doch voller Leben!

 

Alles löst sich dann irgendwie auf, als ob es nie wirklich war und doch sagt mir die Erinnerung wieviel Leid und „ach, soviel Erfahrung“ in allem steckt: Der Mantel der Vergangenheit. Ich lege ihn nun ab, mache mich nackig...

 

Es ist nicht wichtig was bleibt! Was bleibt?! Wovon? Alleine der Gedanke daran, braucht die Vergangenheit als Maßstab, wie könnte ich sonst vergleichen, einen Trend sehen oder bewerten?

 

Wichtig ist nur was ist, was mich freier macht, was den Druck nimmt, was mich gelassener macht, was also Friede in mir hervorruft. Was mich eben zu genau dem werden lässt, was ich sowieso schon immer war, aber wovon ich dachte, es wäre anders.

 

Aber es war nur ein Gedanke. Mehr nicht.

 

Und in diesem Prozess der Lösung von allem was sowieso nie ICH war, oder sollte ich sagen DU oder noch besser WIR (denn nur die Einheit ist wirklich), in eben jenem Prozess der Loslösung von allem was je Meinung, Abhängigkeit, Grenze, Dualität und Angst war, kann alles passieren.

 

Krankheit darf sein, genau wie Schmerz – Glückseligkeit genauso wie pure Gesundheit! Es ist eben am Ende auch nur wieder eine Meinung, die versucht alles in ein gut oder schlecht zu zu verpacken, damit die Angst aushaltbarer wird. Aber wenn die Meinung sich auflöst (nicht, weil da sowieso nie eine war, sondern weil bemerkt wurde, wie sinnlos sie meistens ist) bleibt das was dahinter steht: und das ist eben die Angst.

 

Und das ist jetzt keine Krankheit die man heilen muss. Es ist nur der Wächter, der uns daran erinnert, dass es jetzt nach Hause geht. Mut ist: Angst, plus ein Schritt.

Also einfach nur der normale Weg, hin zur Befreiung.

 

Das alles wäre jetzt sehr schrecklich, wenn ich glaubte alleine zu sein.

Wenn es da nicht eine Hand gäbe die die meine hielte. Und die auch deine hält. Mut wird einfach aushaltbarer, wenn ich in etwas vertrauen kann, was höher steht als ich, was den Überblick behält in all dem Chaos und was mich zu trösten vermag. Eine Hand eben die uns führt, auch wenn wir uns mal wieder von ihr zurückziehen, weil „sie Schmerz zugelassen“ (alles nur unsere Interpretation wieder) hat und zu der wir uns vielleicht wieder hinbewegen, wenn wir uns nach ihr sehnen. Aber plötzlich ist da vielleicht ein Druck weniger, eine Sucht weg, eine Neurose schwächer oder die Liebesfähigkeit stärker, Dinge an denen wir messen können, dass das alles einen Sinn ergibt, auch wenn wir es nicht erklären können.

 

Was es auch sei: wir müssen es nicht verstehen.

Wir können weiter vertrauen in diese - uns haltenden - Hand und ihr all das anvertrauen, was uns belastet, was uns Druck macht und wo wir Angst nur erahnen.

Kann sein dass wir ein paar Sachen davon sogar mit dem Verstand erfassen können, aber das ist nicht wichtig.

 

Allein dieser Gedanke, ist eine riesige Erleichterung. Einfach weil ich nicht erst alles hinterfragen muss (aber durchaus darf) sondern gleich weiter vertrauen kann und stets weiß: auch das geht vorbei und wird mich weiter zur Befreiung tragen.

 

Und nebenbei lebe ich: da habe ich Meinungen, Grenzen, Interessen und Abneigungen – lebe meine Hobbies und Leidenschaften. Und fühle mich dabei lebendig!

 

Es ist einfach entlasten zu wissen, dass im Hintergrund alles getan wird, was nötig ist – ohne dass ich dabei mein glückliches, kindliches Lachen aufgeben muss, dem Fluss des Lebens dankbar vertrauend.

Und nun mache ich mit meinen Herzensplänen weiter... einfach so.

 

Claudia Scherreiks, Tagesimpuls vom 23.03.2019

 

Habt einen schönen Tag!

 

 

 

 

 

 

 

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