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Beziehung in der neuen Zeit – 11 – Konditionierungen

Wenn ich von Beziehung spreche, dann meine ich nicht nur die klassische Beziehung zwischen 2 Partnern, sondern generell auch zwischenmenschliche Beziehungen. Dazu gehören Familie, Arbeitskollegen, Vorgesetzte genauso, wie zufällige Beziehungen zu Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben.

Ob wir einen Tag als „gut“ oder „schlecht“ definieren hat meistens mit den Geschehnissen innerhalb dieser Beziehungen zu tun. Scheinbar. Denn im Grunde sind die Themen und Probleme immer nur Auslöser, um uns aufzuzeigen, wie es in unserem Inneren gerade aussieht.

Beziehungen tragen deshalb alle sehr zur Bewusstwerdung inneren Zustände bei.

 

Die letzten Jahre war ich vermehrt von Menschen umgeben, deren Verhalten mich oft nur verständnislos und ohnmächtig zurückließen.

Ich konnte und wollte einfach nicht begreifen, wie man so problemorientiert durch die Welt gehen konnte und dabei ganz offensichtlich aus jeder Mücke einen Elefanten machte.

Es war so plakativ sichtbar und gefühlt gewalttätig, dass man besser sagen könnte: aus jeder Mücke einen Elefanten prügelte...

Anstatt einfach nur eine nüchterne Bestandsaufnahme einer Situation zu machen, wurde mit (atemloser Stimme zumeist) vor allem der „vermeintliche Mensch“ dahinter diffamiert.

Mit dem Finger auf ihn gezeigt: Wie kann man nur?!

Das Problem hochgepuscht: Oh Gott, oh Gott, wie furchtbar?!

Sichtlich an der Situation gelitten: Ich halte das nicht mehr aus!

Sich als Opfer der Welt dargestellt: Warum passiert mir das immer wieder?!

Sich als Retter der Welt dargestellt: Ohne mich, würde hier nix mehr laufen!

Ehrlich gesagt: das ist krank!

 

Über Jahre nun litt ich mit. Auf der einen Seite verstrickte ich mich in Diskussionen und wies immer wieder darauf hin, dass Vertrauen besser sei, als Kontrolle.

Und das Misstrauen gegenüber der Welt, die Probleme ja erst heraufbeschwor.

Ich hatte ja nun einige Jahre Zeit, alles mögliche auszuprobieren.

Die Lösung selbst konnte ich bislang nicht sehen. Mir fiel nur auf, dass es mir nicht guttat, dieses destruktive Verhalten zu bewerten oder irgendwie zu versuchen eine Verbesserung herbeizusehnen.

 

Meine Reaktion war leiden. Und das obwohl ich dachte, ich stünde mit meiner klaren Sichtweise über den Dingen. Tja, falsch gedacht. Was folgte war zunehmend Resignation. Aber auch die war nicht förderlich, sondern unterwürfig.

Auch das war leiden. Und so beschloss ich, es wenigstens selbst anders zu machen.

Bei der Reflektion meines Lebens fiel mir dann auf, dass ich gar nicht so anders war.

Auch ich hatte meine Probleme und ging mit einigen Problemen ähnlich um. Das war wieder sehr ernüchternd. Aber immerhin sah ich es jetzt. Ich sah also das Problem. Die Lösung konnte ich dennoch nicht sehen, auch wenn ich gaaanz viele Selbsthilfebücher dazu las.

Diese Tipps hatten irgendwie nix mit mir zu tun.

 

Da ich konkrete Beispiele liebe schildere ich euch deshalb, wie ich vor kurzem eine Lösung für ein Problem aus mir selbst heraus fand.

Es geht um Haushaltspflichten. Als Kind und Jugendliche hatte ich gelernt, dass die Kinder den Haushalt schmeißen. Wir waren 2 Mädels, die abwechselnd Dienste hatten, und damit alle Putzdienste, die in einem Haushalt vorkamen (außer Fensterputzen und Wäsche waschen), abdeckten. Es war nicht immer toll, aber ich dachte das muss so sein. Das ist eben Erziehung. Und putzen lag mir zum Glück, d.h. Ich machte das schon immer gerne.

Mein Sohn ist jetzt 17 Jahre. Und wie kann es da anders sein, als diese Tradition fortzuführen.

Schließlich hatte ich es als richtig eingesehen und war der Erziehung meines Sohnes gegenüber verpflichtet. Und so führte ich Pflichten ein. Wir teilten uns die Haushaltspflichten im abwechselnden Abwaschdienst und auch die anderen Putzaufgaben.

(Außer Fensterputzen und Waschen – das machte ich!)

 

Was ich dabei nicht berücksichtigte war die Tatsache, dass die Umstände heute ganz anders lagen. Ich putze immer noch gerne. Und ich leide darunter, wenn das Geschirr tagelang unabgewaschen in der Spüle steht. (Wir haben keinen Geschirrspüler).

Und ihr könnt euch jetzt sicher denken, dass ich oft litt die letzten Jahre. Denn in puncto Abwaschwaschen waren mein Sohn und ich uns nicht einig. Er sammelte lieber das Geschirr für ein paar Tage, damit es sich lohnte, denn er hasste abwaschen und wollte diese verhasste Arbeit dann lieber so selten wie möglich machen.

Klar, dass das regelmäßig zu Konflikten führte.

Aber ich konnte die Lösung nicht sehen.

Warum? Weil ich beherrscht wurde, von alten, übernommen Konditionierungen.

Ich gab weiter, was ich gelernt hatte. Schliesslich fand ich es bislang ja auch gut!

 

Und dann irgendwann war die Lösung einfach da.

Wenn ich bedenke, dass ich vor Wochen schon die Generalamnestie in dieses Problem einlud, ist das jetzt für mich auch kein Wunder. Denn sie löst die dualen Felder hinter einem Problem ja auf. Und das waren in meinem Fall: Konditionierungen.

Was mich aber doch überrascht, ist die Einfachheit der Lösung.

 

Und das war so: Als ich mich wieder so einem Stapel Geschirr gegenübersah und darunter litt, weil mein Sohn Abwaschdienst hatte, fürhte ich sowas wie einen inneren Dialog.

In mir erschien die Frage: „Warum leidest du eigentlich?“

Na, weil dort schmutziges Geschirr steht und ich es nicht aushalte! Was für eine dämliche Frage!“

Ich wurde wütend! Meine Güte, das war doch klar wie Klossbrühe!

Dann hörte ich die Frage: „Und was würde dieses Leid beenden?“

Na, Sauberkeit!“

Der Rest ergab sich von selbst. Kein Dialog. Ich wusste einfach was mir  - was uns  - gut tun würde. Ich wusch das Geschirr ab und sprach am Abend mit meinem Sohn.

Ich teilte ihm mit, dass ich jetzt immer abwaschen werde, weil es mir dann besser geht.

Und bat ihn, für den Fall dass ich mal keine Lust zum Abwaschen hätte, diese Pflicht jetzt nur ab und zu mal zu übernehmen.

 

Fazit: Wir sind jetzt beide glücklich! 2x kam es schon vor, dass ich ihn bat den Abwasch zu ´machen, als es mir nicht gut ging. Er machte das augenblicklich und kommentarlos!

Ich freue mich, dass es jetzt immer schön sauber ist. Und auch mein Sohn ist sichtlich erleichtert. Er sagte mir neulich, wie toll eine immer sauberer Küche sei.

 

Wenn wir bei uns bleiben und jeweils unsere persönlichen Bedürfnisse berücksichtigen, dann wird die Lösung sich zeigen.

Denn dann ist der Grundtonus Liebe.

Solange wir aber einer konditionierten Meinung folgen, werden wir leiden – solange bis sie sich aufgelöst hat.

Mein Umgang mit dem problemorientierten Denken meiner Mitmenschen hat sich auch gewandelt. Vieles nehme ich nicht mehr persönlich. Ich habe kein Bedürfnis mehr, zu missionieren. Ich kann in Krisen manchmal sogar lächeln und habe eine Gelassenheit, die Konfliktlösungen manchmal sogar einfach auflöst. Einfach deshalb, weil ich nicht mehr darauf eingehen muss.

Ich kann oft alles so stehen lassen wie es ist. Und ich kann handeln, wenn ich den Impuls dazu habe.

Frei und jetzt ohne Angst, selbst wenn es mit Konsequenzen verbunden sein könnte, die ich noch gar nicht absehen kann.

(c) Claudia Scherreiks

 

Dieser Text ist Teil eines Buches an dem ich gerade schreibe. Erfahrungen mit der Generalamnestie.

Das Handbuch von Nane Gisela Busse zur Generalamnestie „Generalamnestie – zurück in die Unschuld“ könnt ihr inzwischen überall im Handel kaufen.

Wenn mein Buch erscheint, setzte ich den Link auch hier rein. Und bis dahin, werde ich die ein oder andere Erfahrung mit der Generalamnestie noch hier auf meinem Blog mit euch teilen.

 

Wenn es dich anspricht, dann schau einfach ab und zu hier in meinem Blog rein oder befreundel dich mit mir bei Facebook. Denn dort teile ich dann immer alle neuen Texte und du erfährst dann automatisch, wenn es Neuigkeiten gibt.

Würd mich freuen.

 

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