· 

Beziehung in der neuen Zeit – 14 – Angst vor Tierchen und andere Phobien

Eine „besondere“ Beziehung hatte ich immer zu Insekten.

Vor allem Fliegen, Spinnen, Wespen, Hornissen – Schnaken! Von genervt sein, über Hass bis hin zur Todespanik vermochten diese Tierchen alles in mir auszulösen.

Als ich 5 oder 6 war, riss ich einmal einem Brummer die Flügel aus. Aber nur damit er nicht wegfliegen konnte, weil ich ihn als Haustier halten wollte.

So ein Tier völlig unter Kontrolle zu haben, empfand ich als Genugtuung. Da fühlte ich mich sicher.

In einem Gefäß baute ich ihm auch ein schönes „Wohnzimmer“ aus Erde, kleinen Pflanzen und Stöcken. Ich wusste aber nicht viel über Fliegen und schon gar nicht was sie fraßen.

Deshalb beugte ich mich ganz nah heran, in der Hoffnung so besser beobachten zu können, was es dann fraß. Der Brummer konnte zwar nicht mehr fliegen, aber er hüpfte mir plötzlich in den Mund und mein Atem half dabei, dass ich ihn verschluckte ohne das ich so schnell schnallen konnte, was jetzt eigentlich gerade geschah.

Das war echt ein Trauma damals! Da wollte ich die Kontrolle über ein Insekt haben und meinte es wirklich „gut“.

Ich lief schreiend zu meiner Mutter und dachte die Welt geht unter. Wie eklig war das denn?! So ein häßliches Tier! Scheinbar unter Kontrolle und dann.... boah!

Meine Mutter lachte nur. Ihr Lieblingssatz war immer: Selber Schuld!

Später einmal sagte sie angewidert zu mir: du bist sadistisch!

Ich wusste damals noch nicht, was dieses Wort bedeutet. Aber ich spürte den Hass und er tat mir nicht gut. Genauso wenig wie die anderen Misshandlungen körperlicher und psychischer Art.

All das verstärkte nur ein Gefühl in mir und trug zur Gewissheit bei eines „Wissens“ was ich eh schon immer ahnte: irgendetwas an mir ist ganz schrecklich anders und falsch!

 

Mit allen Konsequenzen. Gefährlicher Jähzorn gehörte dazu. Selbsthass mit dem Ausdruck von Selbstverstümmelung (wie z.B. Nägel kauen und Haut blutig kratzen). Totaler Rückzug. Und eine zeitlang als Kind auch bedingungsloses „Lieb-Sein“ – um den Hass nicht mehr so spüren zu müssen.

Es geht mir hier nicht um Schuldzuweisungen oder so. Wenn ich heute daran denke, dann ist da kaum Groll mehr. Aber eben auch keine überschwengliche Liebe.

Jeder hat halt seinen Job hier auf Erden gemacht, nach besten Wissen und Gewissen.

Macht“ über so ein Tierchen zu haben, was mir Angst machte, weil es sich sonst meiner Kontrolle entzog, war damals schon sehr verlockend.

Das ist eben die andere Medaille von Todesangst. Und wenn wir in die Welt gucken, dann ist das ja auch gang und gäbe. Nur das das Menschen mit anderen Menschen so machen.

Was ich anhand dieses konkreten Beispiels aufzeigen möchte ist, dass alles miteinander verwoben ist. Mein Angst vor Insekten, die mich unkontrolliert verletzen konnten (durch erschrecken oder beißen, stechen und Schmerz) mit der Angst vor dem Leben generell.

Im Umgang mit Menschen lernte ich zwar, dass ich mich mithilfe von Anpassung, halbwegs vor dem Schmerz durch Verletzung schützen konnte, aber Insekten sind eben nicht kontrollierbar und stehen symbolisch für das Leben selbst.

Egoangst und damit die Angst vor Kontrollverlust steht hier der SELBSTliebe und damit dem Vertrauen in das Leben ohne Bewertung, gegenüber.

So wird auch verständlich wie Phobien entstehen: wir übertragen unsere Angst vor dem „unkontrollierbaren“ Leben auf ein Objekt, damit es etwas kontrollierbarer bleibt. Denn jetzt müssen wir nur noch dieses Objekt vermeiden und dann ist alles „gut“?!

Aber es ist nur ein Ausdruck unserer Angst vor Kontrollverlust.

Als ich vor ein paar Monaten mit der Generalamnestie begann lud ich sie auch in meine Ängste und Paniken ein, die ich Insekten gegenüber hatte.

Inzwischen gab es unzählige Kontakte zu diesen Tierchen und es hat sich etwas geändert.

Meine Haltung.

Einmal beim Staubwischen sah ich z.B. eine Spinne in ihrem Netz hängen. Eine kleine, süße.

Mich überkam in diesem Moment so eine zärtliche Liebe zu diesem Tierchen, so als ob ich ein Katzenbaby betrachtete.

Kein Erschrecken. Keine Angst. Nur Staunen über die Perfektion des Netzes und Liebe.

 

Vor Wespen hatte ich immer richtig Angst! Einmal stach mich eine so überraschend, dass ich von da an immer Todesängste ausstand und hunderte Meter weit, rennend fliehen konnte, wenn sich eine für mich interessierte.

Die Panik ist jetzt weg! Und vorgestern da konnte ich sogar ganz ruhig sitzen bleiben, als eine Wespe um mich herum flog.

Ich sprach im Gedanken mit diesem Tier und bat es wieder raus zu fliegen. Und da war auch dieses Gefühl wieder, dieses Tier beschützen zu wollen. Und ich staunte über die Schönheit dieses Wesens.

Das ist alles neu.

Heute saß ein Dicker Brummer im Wohnzimmer kurz nachdem ich das Fenster weit öffnete, um frische Luft hereinzulassen. Er löste auch den Impuls aus, jetzt diesen Text hier zu schreiben.

 

Ich glaube es war ein Mädchen, denn ich hörte mich lächelnd sagen – während ich liebevoll meine Hand zu ihr hinbewegte: „Hey Süße, flieg wieder raus, da hast du mehr Spaß. Ja?!“

(c) Claudia Scherreiks

 

 

Dieser Text ist Teil eines Buches an dem ich gerade schreibe. Erfahrungen mit der Generalamnestie.

Das Handbuch von Nane Gisela Busse zur Generalamnestie „Generalamnestie – zurück in die Unschuld“ könnt ihr inzwischen überall im Handel kaufen.

Wenn mein Buch erscheint, setzte ich den Link auch hier rein. Und bis dahin, werde ich die ein oder andere Erfahrung mit der Generalamnestie noch hier auf meinem Blog mit euch teilen.

 

Wenn es dich anspricht, dann schau einfach ab und zu hier in meinem Blog rein oder befreundel dich mit mir bei Facebook. Denn dort teile ich dann immer alle neuen Texte und du erfährst dann automatisch, wenn es Neuigkeiten gibt.

Würd mich freuen.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0