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Beziehung in der neuen Zeit – 20 - Abhängigkeiten – Der Tiefgang

Seit gestern bin ich tränenfrei. Aber es steckt mir noch in den Knochen. Ich habe das Gefühl, meine Augen sind geschwollen. Bin sooo erschöpft, dass ich mich wundere, wie es mir nun gelingen könnte, zu schreiben.

Aber es ist wichtig. Es wird gebraucht, damit jeder der sich darin wiederfindet, seinen Teil abholen kann. Oder zumindest erstmal Verständnis und Trost findet. Inkl. Lösungsangebot.

 

Wer mich kennt oder vielleicht auf Facebook mit mir befreundet ist oder zumindest schon Texte von mir gelesen hat, der weiß, dass ich alles auf den Tisch lege. Das ist meine Aufgabe.

 

Mitte Oktober fing es an. Mein Umbau. Also notwendige, energetische Prozesse, deren Details jetzt keine Rolle spielen. Und die ich sowiese nicht wirklich weiß. Und auch nicht verstehen muss.

Nur soviel: was nach außen aussieht wie „schwere Depression“, fühlte sich durchaus auch manchmal so an, war aber - so ziemlich - durchweg begleitet, von einem inneren Wissen, das ich nicht krank bin. Also jedenfalls nicht laut ICD -10.

Und doch half mir dieses Etikett, zu bekommen was ich jetzt brauche: Ruhe. Und Arbeitsbefreiung. Also Befreiung von allem „funktionieren müssen“. Und dazu war (und bin) ich auch nicht in der Lage. Weil dazu brauchst du Kraft. Körperlich und psychisch.

Diese Zeit – das waren jetzt 2 Monate – brachten mich in einen Zustand absoluter Dünnhäutigkeit und Labilität. Die meiste Zeit zitterte ich vor mich hin. Weinte viel. Konnte nichts essen. Nicht schlafen. Verlor 8 Kg in 9 Wochen. (Aber das ist nicht schlimm... :-) )

Und innerhalb dieser Zeit, durfte ich nochmal volle Kanne erleben, wie sich Abhängigkeit anfühlt. Wie weh das tut! Ich dachte ich sterbe. Und ehrlich gesagt: ich wollte es auch...

 

Dazu muss ich etwas ausholen. Namen oder Details werde ich aber weglassen. Denn es geht nicht um die Personen. Es geht nur darum, was sie ausgelöst haben und wie heilbringend es letztlich für alle ist. Weil das kollektive Themen sind, die nun tlw. aufgelöst sind oder noch werden, weil ich die Generalamnestie mit hineingenommen habe.

Also: Vor 4 Monaten trennte ich mich von meiner Partnerin. Die Trennung habe ich  gut überstanden. Kein Schmerz. Nüchterne Klarheit: Ja, so muss das jetzt sein. Also machte ich das so.

Allerdings nahm ich den Schmerz meiner Partnerin wahr. Und zwar nicht als Schmerz, sondern eher als genervt sein, dass sie mich jetzt nicht einfach so loslassen konnte. So wie ich sie.

Diese Trennung war für mich wirklich nichts Schlimmes. Nur die sinnvolle Konsequenz, notwendiger Schrittfolgen. Ich hatte meine Abhängigkeit zu ihr verloren. Und das fühlt sich gut an. Denn mit der Auflösung von Abhängigkeit kommt auch die Klarheit. Gleichzeitg spürte ich aber noch ihre Abhängigkeit. Und das ist echt der Horror! Für beide Parteien!

 

Aber, woran erkennt man Abhängigkeit?

Bei sich selbst:

1. Durch inneren Schmerz. Es sind Höllenqualen. Der zeigt sich vor allem durch:

2. Sehnsucht. Und zwar nicht nur ein bisschen, a là: "Ach, wäre schön, wenn wir uns träfen" (denn das ist einfach nur normale Freude und auch völlig dramenbefreit), sondern eine Sehnsucht, die wehtut. Folgender Text drückt das sehr gut aus und ich könnte das selbst nicht besser beschreiben – (Auszug aus Killjoy von Anne Fine:Ich spürte, wie sie mir fehlte, von dem Augenblick an, als sie gegangen war. Sanft und stetig wie Wasser auf Kieselsteinen durchfloss mich ein unaufhörlicher Strom der Sehnsucht. Ich spürte sie noch auf meiner Haut wie eine sanfte Berührung, sie war in meinem Kopf wie ein leiser Ton und verletzte mich am ganzen Körper durch ihre Abwesenheit. Eine so starke Sehnsucht gewährt einem keine Pause.“ 

Vielleicht gibts jetzt Protest?! Aber das ist doch Liebe! Nö. Das ist Abhängigkeit. Wie Liebe sich anfühlt in der neuen Zeit, dass werde ich hoffentlich noch erleben. Vielleicht auch innerhalb einer Partnerschaft? Keine Ahnung. Aber da ich keine mehr brauche um glücklich zu sein, ist das auch egal.

3. Grenzüberschreitende Handlungen.

  • Z.B. stalken, gehört auch mit zur Abhängigkeit.

  • Oder anbiederndes (und damit nicht authentisches) Verhalten, wie: Unaufgeforderte Geschenke machen. Unabgesprochene Besuche. Ständiges anrufen. Liebesgesülze (süß und klebrig). Auch Selbstmordrohungen - ganz perfide.

  • Tratschen! Man spricht mit anderen über seine „Not“. Aber so ein „Ausplaudern“ von Geheimnissen, die andere betreffen, wird oft verletzend wahrgenommen.

  • Und das schafft mitunter wieder andere, neue Abhängigkeiten. Reicht sie weiter sozusagen. Wie das Helfersyndrom z.B. „Ich muss diesem Menschen doch helfen!“Impulsmäßiges Helfen ist ja im Grunde auch gut und richtig! Wenn aber aufgrund einer Abhängigkeit die notwendige Klarheit fehlt (und damit die Fähigkeit, seine Grenzen wahrzunehmen und einzuhalten) dann blutet man irgendwann aus.

Bei anderen:

1. Ein "Ziehen".

2. Man ist genervt über das Verhalten das anderen. Fühlt sich überfordert.

3. Man empfindet sich als Opfer von Stalking und Dramen.

 

Das habe ich alles erlebt und gelebt. Schon immer.

Leben ist Leiden. Solange wir nicht frei stehen. Auf Augenhöhe.

Fehlt nun die Abhängigkeit, fallen alleine schon soviele verletzende Verhaltensweisen weg, dass die Welt schon alleine dadurch sehr viel freundlicher und liebevoller ist. Und weniger schmerzhaft.

Zwar gäbe es dann wohl auch weniger geschriebene Schnulzen, aber das könnte ich sehr gut aushalten.

Schließlich stehe ich auf Krimis. (Glück gehabt! Aber das Krimithema ist sicher auch noch ein Hauptthema. Schließlich geht es da um Mord. Schuld. Opfer und Täter.... Uhhhh... mir schwant da was....)

 

Und wie kam es nun, zu dieser plötzlichen Tiefe?

Letzten Freitag war es. Da turnte ich in einem Forum rum, bei dem ich mich schon eine Weile nicht hab blicken lassen. Ein Datingportal. Nur für Frauen. Gucken kann man ja mal... Obwohl ich suche ja nicht?!

Da sieht man vor allem erstmal Fotos von Frauen. Auf die „für gut befundenen“ kann man dann klicken. Dann kommt man auf das Profil. Kann lesen – wer ist das, was sucht sie usw...

Habe ich gemacht. Hätte aber nie Jemanden angeschrieben! Um Gottes Willen. In meinem Zustand! So labil und schwach gerade...

Was ich nicht wusste war: die andere kann sehen, wer auf dem eigenen Profil war.

Und so schrieb ein lächelndes Gesicht zurück. „Moin! Schön, dass du auf meinem Profil warst. Liebe Grüße“ oder sowas in der Art.

Nach ein bisschen hin und her Geschreibe, fanden wir heraus, dass wir uns schon einmal begegnet sind. Und ich erinnerte mich daran, wie anziehend ich sie damals fand... Und da hat´s mich dann komplett ausgehebelt.

Verliebtseinsmodus im höchsten Maße! Konnte nix tun, außer mich dem Leben hingeben.

Wir trafen uns schon am nächsten Tag. Sprachen viel.

Ich: völlig aufgelöst in Emotionen. Eine Umarmung reichte schon und ich war weggeflasht!

Mein Gegenüber völlig überfordert von meinem klebrigem Gelaber.

Tja. Shit happens...

 

Sobald sie die Wohnung verließ, flossen bei mir die Tränen. So ziemlich 4 Tage lang...

Ich machte einen emotionalen Abgang, der sich gewaschen hatte! Ich fühlte den Schmerz der Abhängigkeit. Und zwar vom Grund auf her, nicht nur meinen.

Ich verlor mich so im Nebel, dass ich glaubte, das nicht überleben zu können. Diesmal nicht! Es zeriss mich.

Und ich erfüllte nochmal intensiv alle Kennzeichen der Abhängigkeit:  Sehnsucht, Schmerz und grenzüberschreitendes Verhalten.

 

Seit ich wieder klar bin, kann ich das nun alles sehen. Der Schmerz ist weg. Und ich kann mein Gegenüber verstehen. So eine Abhängigkeit, oder sagen wir mal die Bereitschaft und Neigung, sich in eine solche zu begeben, ist schon ganz schön gruselig. Für beide Parteien!

Ich habe das jetzt zwischen uns bereinigt. Mich entschuldigt. Und zum Glück hat mein Gegenüber soviel Klarheit, dass auch sie ihren Nutzen aus meinen "Abgang" hat gewinnen können.

 

Sie weiß auch, dass ich darüber schreibe. Das stille Einverständnis und Verständnis tut mir gut.

Sie ist so klar, dass ich ihr nichts über Schubladen und Etiketten erzählen muss. Ist ihr bereits ein Begriff gewesen. Und ehrlich gesagt empfinde ich es als unendlich erleichternd, nicht immer wieder bei A anzufangen zu müssen.

Das alles war also ein Geschenk. Ich bin dieses Thema jetzt los. Ein für alle mal, glaube ich.

 

Und jetzt bringe ich die Generalamnestie ins Spiel.

In meiner schmerzhaften Dunkelheit, fiel sie mir zum Glück ein, die Generalamnestie. Es ist nämlich oft so, dass wir in diesen dualen Prozessen so sehr im Schmerz gefangen sind, dass wir nichts mehr sehen. Nichts mehr erinnern. Da sind dann Freunde hilfreich, die dich daran erinnern. An die Liebe. An die Heilung. Manchmal reicht da schon ein Herzchen bei Facebook, manchmal die Erinnerung, wie sehr du Jesus liebst.

 

In meiner dunkelsten Stunde, da erinnerte ich mich an Jesus. An Gott. Und an die Generalamnestie. Und daran, dass ich sie jetzt einladen könnte. Und da ist etwas seltsames passiert: Jedenfalls nahm ich das für einen Moment wahr: Ich wehrte mich! So als ob ich nicht wollte, dass dieses Leid aufhört.

Klingt paradox. Passt aber zum Thema.

Das Leid „zu brauchen“ ist auch eine Form der Abhängigkeit. Kommt eben aus der Dualität. Einheit geht anders. Will nicht abhängig sein, weil sie hat ja schon alles.

Ich sah also meinen Widerstand. Und lud erstmal die Generalamnestie da hinein ein. In den Widerstand. Das ging. Da musste ich ja mein Leid noch nicht loslassen...

Und dann gelang es mir auch, die Generalamnestie in dieses gesamte Geschehen und den Schmerz  einzuladen. Und ich sag euch: es hat nochmal eine ganz andere Qualität, diese Kraft ohne Kraft einzuladen  -  direkt aus dem Schmerz heraus  - damit sich alles zur Einheit hin auflöst. Das alles hat eine Tiefe.... Mir fehlen die Worte.

Von außen mal auf ein Thema zu gucken und dann die Generalamnestie einzuladen ist da echt ein Lacher! Absolut oberflächlich. Und doch die erste Zugangsmöglichkeit um in die Tiefe zu kommen. Das ist mit Jesus und Gott ja genauso.

 

Ich bin sehr dankbar. Die ganzen Prozesse gewinnen an Dynamik. Und es tut soooo weh!

Aber ich weiß: ich bin jetzt auf den Urgrund gestoßen. Auf die Essenz von Abhängigkeit.

Und dort hinein habe ich das Licht gehalten. Jetzt ist es dort endlich hell. Für uns alle.

Danke allen Beteiligten.

© Claudia Scherreiks

 

Dieser Text ist Teil eines Buches an dem ich gerade schreibe. Erfahrungen mit der Generalamnestie.

Das Handbuch von Nane Gisela Busse zur Generalamnestie „Generalamnestie – zurück in die Unschuld“ könnt ihr inzwischen überall im Handel kaufen.

Wenn mein Buch erscheint, setzte ich den Link auch hier rein. Und bis dahin, werde ich die ein oder andere Erfahrung mit der Generalamnestie noch hier auf meinem Blog mit euch teilen.

 

Wenn es dich anspricht, dann schau einfach ab und zu hier in meinem Blog rein oder befreundel dich mit mir bei Facebook. Denn dort teile ich dann immer alle neuen Texte und du erfährst dann automatisch, wenn es Neuigkeiten gibt.

Würd mich freuen.

 

 

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