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Beziehung in der neuen Zeit – 21 – Unerfüllte Liebe

Seit gestern stehe ich wieder im Schmerz. Mit Haut und Haaren.

Ich muss mich oft vornüber beugen beim Heulen, und halte mir dabei den Oberkörper fest, weil es so weh tut. So heftig erfassen mich die Weinkrämpfe.

Dieses Treffen mit der Frau letzte Woche, die zuerst den Schmerz der Sehnsucht in mir hervorholte, hatte mich ja so mitgenommen, dass ich da schon im Tränenmeer versank.

Ab Donnerstag ging es mir dann besser und ich dachte – Wow! Wieder ein Kapitel erledigt. Diesmal der Schmerz der Abhängigkeit.

Was ich nicht wusste war, dass sich im Hintergrund nur der Tsunami sammelte für das große Thema dahinter und ich eine Erleichterung wohl nur deshalb spürte, weil sich aller Schmerz dafür nochmal für die große Welle versammelte.

 

Freitag und Samstag gingen einigermaßen, am Sonntag brach dann die Welle über mich herein.

 

Ich kann mich nicht erinnern, schonmal so sehr und so lange geflennt zu haben.

Und ich fühlte: diesmal ist es kollektiv, denn da hing plötzlich ein ganzer Rattenschwanz dran. Und diesmal ging es um das Drama der ewig unerfüllten Liebe. Die Königsdisziplin der Dualität. Wie gut ich sie doch kenne...

 

Erinnerungen dazu:

Mit 15 liebte ich heimlich meinen Biologielehrer – erster zarter Schmerz, inkl. Herzklopfen. Aber irgendwie war das auch schön... ich glaube er hat nie was bemerkt, obwohl ich mich echt ins Zeug legte! Geschminkt bis zum Abwinken, äußerst gesprächig im Unterricht, nur um seine Aufmerksamkeit zu erhaschen...

 

Ich bekam zwar meistens eine 1 oder 2 im Zeugnis, weil ich im Unterricht so aktiv war, aber ich glaube er muss mich damals für einen seltsamen bunten Vogel gehalten haben. Für mich unerreichbar jedenfalls...

 

Dann mit 16 stand ich vor einem Hotel in der Schweiz und sang Liebeslieder in Richtung Hotelzimmer eines 56 Jahre alten Mannes – den ich beim Tanzen in die Nacht vorher kennengelernt habe. Boah! Das ich das jetzt erzähle... ein bisschen versinke ich gerade doch im Erdboden. Er lebte in Schweden und ein paar Monate später rief ich ihn an: „Bin gerade auf Geschäftsreise und wollte mal vorbeikommen.“ Wieder so eine Story um im Erdboden zu versinken...

 

Seltsamerweise durchschaute er sofort, dass es keine Geschäftsreise war, sondern dass ich von zu Hause weggelaufen war. Dramen zogen mich schon immer an.

 

Neben einer recht unsanften Heranführung an Sexualität, erfuhr ich auch noch andere grobe Realitäten des Lebens. Immerhin zwang er mich eine Ausbildung zu beginnen. Und so verließ ich Schweden nach 7 Monaten. Ein Paar – mit langen Trennungszeiten - waren wir dann aber doch 3 Jahre.

 

Irgendwie konnte ich weder mit noch ohne ihn. Wenn ich bei ihm war, dann gab`s oft heftigste Dramen. Schmerzhafte Geschichten waren das. Wenn ich dann bei meinem Ausbildungsplatz war, also getrennt von ihm, dann blutete mir das Herz vor Sehnsucht. Die Liebessehnsucht in mir, konnte er aber auch nicht stillen.

 

Der nächste war Schotte. Alasdair. Ein reicher Mann anscheinend. Wir lebten in einem Penthouse in London City. Hatten skurrile Partys und Champagner zum Frühstück. Einmal sagte er: Also wenn du abnimmst (ich wog etwa 63 kg – bei einer Größe von 165cm – also war jetzt nicht mega fett) und dich an meine Regeln hälst, dann kaufe ich dir ein Haus und du wirst meine Frau.

Hört sich jetzt sicher für die ein oder andere Dame verlockend an soetwas.

 

Aber ich nahm Reißaus! Das war doch keine Liebe!? Und beim Sex ließ er immer seine Kniestrümpfe an. Und sowas ein Leben lang?! Für ein Haus und Champagnerfrühstück? Nee – nicht mit mir. Ich sagte ihm: „Ich will jetzt sofort nach Hause!“ Und so buchte er mir ein Flugticket von London nach Hamburg.

Ich sah ihn nie wieder. Tja. Das war die Story mit Alasdair. Dass ich sein „komisches“ Auto fast Schrott fuhr in Deutschland, habe ich noch gar nicht erwähnt. Ich fand das Auto so hässlich. Deshalb fragte ich ihn, was das denn für eine seltsame Marke sei (nachdem ich es bereits 3 Wochen fuhr . Er antwortete: Schau mal auf das Lenkrad. Da war eine Katze drauf. Also ein Raubtier. Als ich begriff, dass das ein Jaguar war, bin ich vor Schreck fast verunfallt. Tja. Shit happens. Geld ohne Liebe? Nee – war auch nicht mein Ding.

Der nächste war Sergey. Meine große Liebe. Ein Offizier. Die Tatsache das er verheiratet war störte mich nicht. Aber seiner heimlichen Freundin an Board teilte ich doch recht schnell mit, dass er nun mir „gehörte“.

 

Wir hatten schöne Zeiten. Sex war endlich schön und es gab auch kaum Dramen. Aber er war unerreichbar für mich. Er ließ sich nie von seiner Frau scheiden. Und war auch mit dem Meer verheiratet. Nach drei Jahren Wartezeit in Deutschland mit unserem gemeinsamen Sohn und einem stets vor Sehnsucht brennendem Herzen, trennte ich mich von ihm. Per Mail. Wie sonst. Ewig auf einem Mann warten? Das hielt ich nicht aus.

Dann war ich 11 Jahre alleine. Nicht mal One-Night-Stands gab es. Aber das war ja eh meine spirituelle Phase und passte mir deshalb ganz gut in den Kram: Askese war mein neuer Trend: Kein Fleisch, kein Alkohol und kein Sex. Nicht mal mit mir alleine. Naja, jedenfalls gab ich mir große Mühe. Und litt. Meine Güte! Das Leiden hatte ich anscheinend für mich gepachtet.

 

In dieser Zeit tauchte erstmals der Weltschmerz in mir auf. Ein Schmerz der sich krampfend um mein Herz legte und scheinbar keine Ursache hatte. Aber er war so durchdringend, dass ich lange Zeit echt verzweifelt war. Keiner kannte sowas – egal an wen ich mich wandte. Dann kramte ich auch wieder meine immensen Schuldgefühle hervor. Die ich hatte, seit ich denken kann, weil ich mich als kleines Kind schon an schuldbeladene Vorleben erinnern konnte.

 

Irgendwie ein Wunder, das ich das alles überlebt habe. Die Selbstmordgedanken kann ich nicht mehr zählen.

Als ich dann vor ein paar Jahren auf den Trichter kam lesbisch zu sein, da war mir klar: Mit einer Frau wird alles anders! Fazit: ich bin wieder alleine. Diesmal trennte mich ein tiefes Unverstandensein und das fehlende Geborgenheitsgefühl nach dem ich mich sehnte. Ich fror einfach nur neben dieser Frau.

 

Als mir dann letzte Woche diese eine Frau begegnete, von der ich im letzten Text erzählte und sie scheinbar alle Sehnsuchtsknöpfe gleichzeitig in mir drückte, weil ich nicht nur Verständnis und Geborgenheit wahrnahm, sondern sie mich auch körperlich und mit ihrer Ideologie anzog, da flog ich ganz weit nach oben. So viele Schmetterlinge hatte ich noch nie im Bauch!

 

Aber ich erfuhr schnell: diese Frau war unerreichbar, weil sie im Herzen noch eine andere Frau liebte. Dieser Schmerz nahm mir mal wieder den Atem. Da traf ich endlich mal Jemanden der scheinbar perfekt zu mir passte und der drehte dann mitten im Spiel das Schild um: Besetzt!

 

Heute bin ich wieder gelandet. Meine Augen brennen noch. Ich bin unendlich erschöpft.

Aber ich fühle mich etwas leichter.

Das Thema „unerfüllte Liebe“ musste halt auch noch durch das Nadelöhr der Einheit. Und wieder mitten durch mein Herz. Jetzt ist es durch. Das Tränenmeer kann ich noch im Rücken spüren, aber es löst sich langsam auf.

Mal sehen was als nächstes kommt... So schnell ruf ich jetzt jedenfalls nicht mehr Halleluja.

 

Aber doch schön, dass dieses heftige Thema der Liebesdramen sich nun hin zu einer Art Liebe auflöst, die ich mir noch nicht einmal vorstellen kann. So ganz ohne Schmerz und Drama?

 

Ja – Einheit heißt wohl Liebe ohne Leiden. Also erfüllte Liebe ohne Mangel. Was das für Beziehungen bedeutet?

Schaunmama...

 

P.S.: Und die Generalamnestie? War die ganze Zeit dabei.

Ach und danke Nane <3

© Claudia Scherreiks

 

Dieser Text ist Teil eines Buches an dem ich gerade schreibe. Erfahrungen mit der Generalamnestie.

Das Handbuch von Nane Gisela Busse zur Generalamnestie „Generalamnestie – zurück in die Unschuld“ könnt ihr inzwischen überall im Handel kaufen.

Wenn mein Buch erscheint, setzte ich den Link auch hier rein. Und bis dahin, werde ich die ein oder andere Erfahrung mit der Generalamnestie noch hier auf meinem Blog mit euch teilen.

 

Wenn es dich anspricht, dann schau einfach ab und zu hier in meinem Blog rein oder befreundel dich mit mir bei Facebook. Denn dort teile ich dann immer alle neuen Texte und du erfährst dann automatisch, wenn es Neuigkeiten gibt.

Würd mich freuen.

 

 

 

 

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