Corona öffnet gerade mein Herz...

Ich fühle mich hilflos, angesichts der momentanen Weltlage. Bin nervös, manchmal aggressiv, traurig bis heiter. Aber nicht verzweifelt. Zum Glück.

Ich fühle die Angst die umgeht. Jeder möchte heil da rauskommen. Verständlich.

 

Aber es macht mir auch Angst. Wenn ich leere Regale sehe z.B.

 

Oder Menschen mit vollgepackten Einkaufswagen und Mundschutz im Gesicht.

Wörter wie Ausgangssperre schnüren mir die Kehle zu. Ich fühle mich eng. Eingesperrt. Ausgeliefert. Bewegungsunfähig. Manchmal kriege ich Wut auf all diejenigen, mit ihrer übertriebenen Vorsicht. Aber auch auf diejenigen mit ihrer theatralischer Sorglosigkeit...

Gerade ist alles doof.

Wenn ich mich mal selbst betrachte, dann habe ich den Impuls mich selbst in den Arm zu nehmen. Da sind irgendwo noch ungeweinte Tränen hinter den vielen chaotischen Gefühlen.

Und das alles mit der Diagnose: schwere Depression... Na toll.

Inkl. langer Krankschreibung. Die mich schon seit Monaten zwingt, meinen Selbstwert nicht mehr darin zu suchen, was ich momentan „leisten“ kann.

Ein kurzer Hoffnungsschimmer war ja die Bewilligung der Reha von der Rentenkasse, die letzte Woche kam.

Und gestern kam nun der Beschluss der Landesregierung alle Reha´s liegen vorerst auf Eis, bis die Pandemie wieder abflacht.

Verständlich. Aber es raubt mir gerade auch ein bisschen die Perspektive. Heute schwimme ich wieder. Sehe meine Ängste.

Fühle mich schwach. Habe den Halt verloren.

Halt. Halt!

Das stimmt nicht ganz. Wenn ich genau hinschaue, dann geht’s mir doch ganz gut.

Immerhin geht jeden Monat Geld aufs Konto, ohne dass ich das mit Leistung „wieder gut“ machen muss. Ich mag meine kleine Wohnung. Gerade habe ich den neuen Duschvorhang angebracht, den ich für 6,60 Euro inkl Porto bei Ebay Kleinanzeigen

gekauft habe. Weil der andere sich auflöste.

Die Schränke sind voll. Verhungern werden wir die nächsten 4 Wochen nicht, selbst wenn ich nicht mehr einkaufen gehen

könnte. Naja, Klopapier könnte knapp werden...

Leitungswasser läuft einwandfrei und auch die Heizung geht.

 

Mein Sohn geht gelassen mit der Schulschließung um. Macht seine Hausaufgaben, zockt ein bisschen mehr Computerspiele und

gleich kommt ein Freund von ihm zum gemeinsamen netflixen.

 

Ich habe eine liebe Frau an meiner Seite, die mir gestern tröstende Worte der Zuversicht übers Telefon vermittelte. Das tat gut.

Heute frage ich mich, was ich tun kann, um der Welt was zurückzugeben. Der Angst zu begegnen, die ich zwar fühle, aber ja gar nicht haben brauch. Was kann ich tun. So ganz konkret.

 

Zum einen Nachbarn gehen, der schon älter ist und früher Lehrer war. Ich klingle einfach und frage mal, ob ich ihm was mitbringen kann, aus dem Laden. Oder einer lieben Freundin schreiben. Die ist auch schon über 80 und freut sich vielleicht über ein paar liebe Worte und das Angebot zu helfen.

Meine Mutter anrufen. Einfach mal so. Hören wie es ihr geht auf ihrem Dorf in NRW.

 

So Kleinigkeiten eben. Die schaffe ich.

Vielleicht einen Blogartikel schreiben. Also im Sinne einer kurzen, ehrlichen Bestandsaufnahme.

Aber keine Hoffnungslose. Sondern eher so was wie eine kleine Handreichung:

Hey! Du bist nicht alleine.“

 

Wenn ich schon schreibe, dann kann ich auch gleich ein bisschen mit dem Malprogramm Krita üben. Ich male den Coronavirus

für diesen Artikel. Auf meine Art eben.

Mit Herzen.

Denn dieses ganze Drama hat auch was ganz liebevolles  - von dem Zusammenbruch sämtlicher Strukturen  jetzt mal abgesehen: Es trennt scheinbar im Außen, nur um im Innen auf ganz neue Art zusammenzuführen. Es hilft mir auch, mich wieder darauf zu besinnen was wirklich wichtig ist im Leben.

 

Das ist nicht Geld. Auch keine vollen Regale. Es ist auch nicht wichtig, wie leistungsfähig ich gerade bin. Irgendwas geht immer.

 

Wichtig ist jetzt: Mitgefühl. Mit mir und anderen. Schauen, was ich tun kann, auch wenn es nur eine kleine Geste ist. Konsumverzicht – denn ich habe alles was ich brauche. Gefühle aushalten und mit ins Herz nehmen.

Und – ja klar: Ansteckung vermeiden, indem ich soziale Kontakte so gut es geht meide.

Ich fühle in mich hinein. In dieses kleine Herz in mir, in dem ich sicher bin. Und immer war.

Es pocht ganz sanft und es lächelt irgendwie. Alles ist gut.

 

Umarmung! (Virtuell geht ja...)

 

 

 

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