Beziehung in der neuen Zeit - 24 - Sicherheit ist eine Illusion

 

Wir wissen ja nicht wie es weitergeht!“ höre ich die letzte Zeit oft.

Manchmal mit vor Schreck weit aufgerissenen Augen.

Und auch wenn ich dabei innerlich nicke, war das denn je anders?

Nee. Das war schon immer so. Wir wissen nie wie es weitergeht. Wir wussten es auch nie. Und wir werden es auch nie wissen können.

Experten“ werden manchmal hochbezahlt, um uns ein wenig in die Zukunft schauen lassen zu können und bedienen damit unser Bedürfnis nach Sicherheit.

Aber worauf stützt sich diese Sicherheit? Vor allem ja auf die Vergangenheit. Auf Erfahrungen. Und daraus resultierenden Meinungen.

Das läuft ja schon immer so. Klingt ja auch gut und vernünftig. Warum also hinterfragen?

Vor allem mit einem Verstand, der aus erfahrener Vergangenheit gewoben ist.

Wahre Sicherheit geht eben nicht ohne Intuition.

Neulich sprach ich mit meinem Sohn darüber. Er konnte nicht verstehen, warum mir Intuition dabei so wichtig ist. Ich versuchte es ihm zu erklären.

Intuition nimmt alle unsere Sinne als Werkzeug. Auch den Verstand. Vor allem aber das Gefühl. Jedenfalls habe ich das so erfahren.

 

Sie gibt mir ein grünes Licht oder ein rotes Licht. Immer wieder neu. Immer wieder im JETZT. Aus dem JETZT heraus. Immer neu angepasst. Dass ist in sofern gewöhnungsbedürftig, weil damit auch Meinungsänderungen einhergehen und dafür auch immer mal wieder Schubladen verlassen werden müssen, die man bislang für die richtige hielt.

 

Das geht manchmal so abrupt vonstatten, dass ich dann nur noch kurz einer alten Meinung mit offenem Mund hinterschauen kann. Ich hatte nicht einmal mehr Zeit mich zu verabschieden.

 

Das ist mitunter mega anstrengend. Und nicht nur für mich. Auch für die anderen um mich herum.

Bis zu einem gewissen Grad stecken wir ja alle in Schubladen.

Geht ja auch nicht anders, weil wir dieses Schubladensystem mit der Muttermilch einsaugen. Für eine Weile geben sie uns ja auch Halt und lassen uns dabei immer ein bisschen die Wahl, ob wir uns in die hinterste Ecke der Schublade verkriechen oder mehr dahin gehen, wo die Schublade schon etwas offensteht.

Schaffst du es sogar rauszuhüpfen, dann kann das Geschrei groß sein. „Wie?! Du? Andere Liga? Andere Meinung?“

Manchmal wird dabei nicht einmal bemerkt, dass wir aber nur in eine andere Schublade gehüpft sind. Das gleiche in grün - was vorher blau war. Dann geht das ganze Dilemma von vorne los.

Erst wenn wir gaaanz viele verschiedene Meinungen und Schubladen gehabt haben – könnte uns auffallen, dass wir immer von

der Meinung des jeweiligen Schubladenschwerpunkts abhängig bleiben. Und das ein Sprung in die nächste Schublade, zwar geht, aber immer wieder weh tut und nichts ändert, solange wir uns damit identifizieren. Es ändert sich nur die Meinung. Vielleicht auch das Umfeld. Oder der Job.

Der Schmerz der Abhängigkeit bleibt.

 

Was hat das jetzt mit Sicherheit zu tun?

Wir suchen Sicherheit in Schubladen. Und machen uns damit abhängig von der jeweiligen Meinung und dem jeweilig zugehörigem Bewertungssystem.

Echte Sicherheit finden wir nur in der Abhängigkeit des Lebensflusses selbst. Und dieser entspringt aus dem jeweiligen Moment heraus. Aus der Intuition. Wer hier zuerst penibel darauf achten muss, seine gerade aktiven Meinungen zu bedienen, aus Angst  heraus - sonst wohlmöglich aus der Schublade fallen zu können (und damit bei anderen anzuecken), wird immer unbeweglicher.

 

Ich habe in vielen Schubladen gewühlt. Extreme erlebt. War manchmal glücklich, manchmal unglücklich. In jeder Schublade.

Es gibt aber eine Konstante: Je mehr ich an einer Schublade festhalte – egal welcher – desto mehr leide ich. Je mehr ich loslasse,

weil ich intuitiv fühle, dass es richtig ist, desto freier und beweglicher bin ich.

Und Glück ist für mich dann auch keine Instanz mehr, die ich durch Festhalten "erreicht" hätte, sondern eher ein ganz  freiwilliger auftauchender, kleiner Lichtpunkt, der immer wieder neu mein Herz zu berühren vermag, egal wie auch die äußeren Umstände gerade sind.

 

Die Art der Schublade ist also egal. Nicht wirklich relevant dafür, ob ich glücklich bin oder nicht. Ich hätte es nur manchmal gerne unter Kontrolle.

Tja. Hier ist es wieder: mein Bedürfnis nach Sicherheit. Weil ich Angst habe die Kontrolle loszulassen und dem Leben zu vertrauen. Und damit Angst davor meiner Intuition  - meinem Herzen - zu folgen.

 

Ich muss also an keinem bestimmten Job mehr festhalten, der mir Sicherheit verspricht, wenn ich spüre, dass mir diese „Schublade“ zu eng geworden ist.

 

Und auch an keinem bestimmten Menschen, mit dem ich mir mal eine Zukunft ausmalte.

 

So kann ich auch Situationen besser akzeptieren, die einer gesellschaftlich gerade eher verpönten Schublade entsprechen: die der Schwäche. Oder die der Krankheit.

 

Sicherheit ist eine Illusion. Jedenfalls, die Sicherheit die ich durch das Festhalten an Meinungen und Gewohnheiten, gerne hätte.

 

Veränderung ist sicher. Immer.

Also warum nicht gleich freiwillig mitfließen in diesem Golfstrom der Veränderung und allenfalls darüber staunen welche Meinungen es so gibt, ohne zu versacken, ohne mehr zu kämpfen.

Aber doch in der Lage zu sein, das Leben zu nehmen, wie es eben ist. Mit all seinen Herausforderungen.

Auf jeden Moment intuitiv reagieren zu können, wie er sich zeigt. Bei mir bleibend.

Mit dem Wissen, dass mich ein Festhalten immer wieder ein bisschen sterben lässt und ein Mitfließen meine innewohnenden Lebendigkeit zum Blühen bringt.

 

Neulich hatte ich das Bild einer inneren Blume. Die inneren Blumen mancher Menschen sehen eher welk aus. Das merkt man – gerade in Krisenzeiten – vor allem durch ein gereiztes, launisches und liebloses Auftreten.

Wenn ich mal feststelle, dass ich launisch und gereizt bin, dann kann ich im Grunde aufatmen! Denn ich habe es bemerkt. Und nur darum geht’s.

Jetzt muss ich nur noch nach innen horchen und mich fragen was der nächste Schritt für mich ist. Manchmal braucht es ein bisschen Mut, dass dann auch zu machen. Vor allem, am Anfang. Denn so mancher Fall aus einer Schublade, kann sich sehr unangenehm anfühlen, weil ja damit auch die Abhängigkeit beendet wird.

Aber das wird mit der Zeit etwas leichter – weil ich gleichzeitig ja auch spüre, wie sich meine innere Blume immer mehr gen Sonne räkelt,  nun endlich gestärkt durch mein kleines Fitzelchen Vertrauen, dass ich meiner Intuition geschenkt habe. Es lohnt sich immer wieder.

 

Das Leben hält viele Überraschungen bereit! Wahrscheinlich andere als gedacht, erwartet oder erhofft. Aber die kleinen Glücksmomente sind unabhängig von Schubladen, Meinungen, Menschen oder Geld. Deshalb lasst uns still lächeln, wenn wieder mal ein Glücksmoment unser Herz berührt. Und uns tapfer aushalten, wenn es mal anders ist. Die Glücksmomente nehmen zu. Der Frieden auch. Und die kleinen schmerzhaften Dramen des Lebens, gehen immer schneller vorbei.

 

 

 

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