Beziehung in der neuen Zeit - 25 – Schwäche versus Stärke

 

 

Heute morgen, auf dem Weg zur Kaffeemaschine, fiel mein Blick auf die Olivenölflasche und eine Welle von Dankbarkeit überkam mich. Es tat mir in diesem Moment einfach gut, zu sehen, wie reich ich bin.

 

Ich habe hochwertiges, leckeres Olivenöl bei mir zu Hause.

 

Mit Spagetti, Knobi und etwas Salz, wird dieses flüssige Gold zu einem Festmal!

 

Ja, so einfach geht glücklich sein.

Und das zu einer Zeit, in der ich vor inneren, seelischen Schmerzen gerade auf die Knie gehe wieder. Ambivalenz pur!

 

 

Ich beschrieb ja, in einem vorherigem Artikel bereits wie ich Glück erfahre. Es ist wie ein kleiner, freudig umherwirbelnder Lichtpunkt, der mich ab und an berührt. Und dann lacht es in mir! Da ist dann Freude, Liebe, Dankbarkeit. Und dann zieht er weiter, dieser Lichtpunkt und berührt andere. Diese Lichtpunkte gibt es Millionenfach! Also keine Angst, dass er nicht auch zu dir kommt.

 

 

Seit eh und je versuchen Menschen diese Lichtpunkte einzufangen und an irgendwas festzumachen. Das geht aber nicht. Das erfahre ich immer wieder. Da nützt es jetzt auch nix, Olivenöl oder Schmuck zu horten.

Und heute, als mich mal wieder so ein Lichtpunkt des Glückes berührte, fiel mir wieder ein Text ein, den ich noch gerne schreiben wollte, über Schwäche und Stärke – weil auch diese Definitionen wieder an Glück festgemacht werden wollen.

 

Stärke – wird gesellschaftlich vielleicht mit Ehrgeiz, Fleiß, Erfolg oder Durchsetzungsvermögen assoziiert.

 

Und Schwäche wird eher als etwas gesehen, was es zu vermeiden gilt, weil sie dich zum einen nicht sehr gut da stehen lässt und dann wahrscheinlich auch noch eher sterben lässt.

 

Schon komisch irgendwie, dass die Menschen in dieser momentanen Corona Krise ausgerechnet diese Schwachen schützen wollen – und all die Starken nicht nur dafür herhalten müssen, sondern vielleicht genau deswegen sogar bald die Seiten wechseln müssen.

 

Stark sein zu müssen, hat eben seinen Preis.

Einen Preis, der innerhalb der Dualität immer zu zahlen ist. Ich erlebe es auch gerade wieder. Momentan aus der Rolle des scheinbar Schwachen. Jedenfalls, wenn man meinen Kontoauszug betrachtet, auf dem Geldeingänge Krankengeld heißen.

Und ja: ich kann in der Tat die gesellschaftlichen Leistungsforderungen momentan nicht erfüllen. Dafür beutelt es mich momentan zu sehr. Ich wünsche es keinem.

Was habe ich geweint die letzten 6 Monate! Über 15 kg Gewicht verloren. Und die inneren Schmerzen und Kämpfe – dafür habe ich keine Worte...

 

Und neben mir sehe ich Menschen, die momentan die Rolle des Starken spielen müssen. Die arbeiten gehen, dabei aber alles andere als glücklich aussehen. Aber auch Menschen, die gerne arbeiten gehen würden, aber es gerade nicht können und Ängste aushalten müssen – weil ihr vorheriges Leben sich  - mitsamt den scheinbaren Sicherheiten  -  irgendwie auflöst.

 

Plötzlich werden sie auf sich selbst zurück geworfen. Sogar die gewohnte Ablenkung wird fast unmöglich gemacht. Kein Kino. Keine Spritztouren. Keine Restaurant- oder Konzertbesuche. Das ist schon mal eine Hausnummer.

Da ist es fast leichter, momentan die Rolle des Schwachen zu spielen. Auch wenn`s irre weh tut... nicht die Schwäche, sondern die Symptome, die diese Schwäche hervorrufen.

 

Schwäche tut nicht weh. Aber das Glauben viele. Deswegen wollen sie lieber stark sein. Wieder so eine Schublade.

 

Stärke ist aber was anderes. Zu dem stehen, was wir in uns vorfinden. Das Herz hinhalten durch Ehrlichkeit. Offenheit.

In sich hineinhören und Dinge tun, die einem das Herz in diesem Augenblick empfiehlt.

Auch wenn da 1000 Schubladen stehen und dich dabei drohend anschauen.

 

Und während ich da so stehe außerhalb der ganzen Schubladen  - von denen ich selbst einige sehr gut auch von innen kenne – fällt mir auf, dass es Gemeinsamkeiten gibt aller Menschen innerhalb dieser Schubladen.

Das Bedürfnis nach Halt. Das Bedürfnis nach Sicherheit. Das Bedürfnis nach Liebe.

Und ich stehe da und mir geht es genauso. Sie spiegeln es mir. Und ich spiegel es ihnen.

 

Und während ich so schwach herumstehe und merke, dass ich auch ohne Schublade irgendwie stark bin, weil ich meine Bedürfnisse nicht mehr innerhalb der Schubladen zu stillen suche, sondern aus mir selbst heraus, der Instanz in mir, die ich wirklich bin, so sehen die Menschen  - die mich aus den Schubladen heraus anblinzeln – dass es keine „stärkende“ Schublade braucht.

 

Und sie sehen auch endlich, dass Schubladen abhängig machen. Und dazu verpflichten, ein Leben zu führen, welches sich an die Regeln der Schublade zu halten hat, um das Etikett Stärke tragen zu dürfen. Die Werte kehren sich um.

 

Ich weiß. Abhängigkeiten gespiegelt zu bekommen tut weh.

Manchmal wäre ich auch gerne wieder abhängig. Ich gebe es zu. Dann würde ich gerne wieder mitspielen. Die alten Spiele der Dualität. Schön unbewusst eingekuschelt in einer Schublade...

 

Habe ich gerade wieder erlebt. Aber es tut so weh!!! Meine Güte.

 

Es ist nur leider schon zu hell zum Sterben.

 

Seufz. Und so fädele ich wieder ein Stückchen Liebe, durch meine Hölle.

 

Alles ist gut. Egal wie es sich gerade anfühlt.

 

 

 

 

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